… eisendurchdringendes Licht bei der Leuker Bahnhofskulptur …

… visite chez M et Mme Ruisseau de la Corne …

… Künstler werden? Soll ich wirklich Künstler werden? Nebenberuflich? Was heisst denn das? Kunst herstellen? Kann man das? Kunst ist doch … Ich war verunsichert, aber die Post hatte mich neugierig gemacht, mehr noch, viel mehr. Sie hatte mich an einer wichtigen Stelle, vielleicht gar an einem wunden Punkt getroffen. Künstler werden! Das Angebot war umwerfend.

Die Post war an mich persönlich adressiert worden: Ich war namentlich erwähnt worden! Absenderin war die hiesige Akademie. Die Akademie der Künste! Unklar war, woher sie meine Adresse, meinen Namen hatte, und wer dort auf die Idee gekommen war, dass in meinem Innersten schon immer der Wunsch wühlte, Künstler zu werden. Nein. Künstler zu sein. Ohne wenn und aber. Künstler ist man. Künstler sein hat etwas – etwas Kompromissloses, ist eine Aufgabe, eine Hingabe. Als Künstler hat man etwas zu sagen, zu … Zu bilden, zu machen, darzustellen.

Und der Künstler wird gehört, beachtet, die meisten jedenfalls werden beachtet, Künstler werden … Nein, es sein, Künstler sein heisst, beachtet zu werden. Etwas Beachtenswertes hinzustellen, einfach hinzustellen, vielleicht etwas Rätselhaftes, das erst von all den Menschen, die das Werk betrachten, ergründet und verstanden werden will, denn Kunst hat etwas Geheimnisvolles, und Künstler sind ihrerseits geheimnisvolle, tiefgründige Wesen, die sich dem alltäglichen, biederen Mief des Massenmenschen entgegenstellen, Künstlern fehlt dieser Mief, und es war dieser Mief, den ich roch, an mir roch, als ich am Küchentisch den Brief geöffnet hatte und die Einladung aus dem Umschlag zog. Es war nicht weniger als eine Einladung zum Künstler-Werden – zum Entrinnen aus meinem Alltags-Mief.
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