Einladung

Erhard Taverna in der Schweizerischen Ärztezeitung: „Nayers verborgene Umwege sollen uns der Ungewissheit aussetzen, sprich der Routine entsagen helfen, bevor es zu spät ist. Schelmenroman, Entwicklungsgeschichte oder Rollenspiel. Glück ist ohne Risiko nicht zu haben. Eine Flucht mit vielen Stationen. Andreas Köhler hat Nayers Erweckung witzig, wortreich, fantasievoll und äusserst unterhaltend umgesetzt.“

Aus dem Text:

Nayer schämt sich vor sich selbst. Er wird erneut verhört, von einem weiteren jungen Offizier, und erst beim dritten oder vierten Mal wird ihm bewusst, dass sich längst keiner mehr für seine Geschichte interessiert, sondern das er lediglich als gut geeignete Testperson, als Testspion zum Verhören benutzt wird. Von dem Moment an sagt Nayer nichts mehr, was sogleich damit bestraft wird, dass man die Glühbirne, die man bei seiner Rückkehr in sein Verlies eben einzuschrauben im Begriffe ist, wieder herausdreht, so dass Nayer weiterhin im Dunkeln sitzt – und bald erneut abgeholt wird.
Mittlerweile ist Nayer so müde, dass er während des Verhörs im Stehen einzuschlafen droht. Nayer realisiert irgendwann, dass man nicht nur das Verhören übt, sondern auch das Aufbewahren von Verdächtigen; dass man die Beleuchtung variiert, einmal dunkel, dann grell, zwischendurch lässt man gar mehrere Soldaten in seinem Zimmer sitzen und laut reden. Wie er doch eingeschlafen ist, weckt man ihn abermals und bringt ihn ins Verhörzimmer.
Der erste Offizier mit dem Schnauz sitzt erneut am Schreibtisch und sagt: «Sie sind doch Mediziner?»
Nayer ist bereits am Einschlafen und stützt sich am Schreibtisch ab.
«Spezialist, nicht wahr?»
Nayer nickt, und die Augen fallen ihm zu.
«Augen auf, Herr Nayer. Wir brauchen Sie.» Der Offizier schüttelt Nayer am Ärmel. «Vorwärts! Kommen Sie mit!» Er schreitet zur Tür und vergewissert sich, dass Nayer nicht wieder einschläft, sondern mitkommt.