… artists interpret the world and then we interpret the artists …

… jedesmal, wenn ich bei uns der Steinach entlang die Mühlegg hinuntersteige und den Blick zur grünen Inschrift am Rande der Schlucht hebe, gerate ich ins Stolpern. Ich lese: Künstler deuten die Welt und dann deuten wir die Künstler. Ich stolpere über den modern-romantischen Platonismus. Oder genauer: über das „dann“. In Platons Staat hocken wir bekanntlich alle eng gedrängt in einer düsteren Höhle, wie sie Jan Saenredam illustriert hat, und sind wir alle umnachtet und uneinsichtig. Nur die edlen und wagemutigen Philosophen mühen sich, ans Licht zu gelangen, um zu erkennen, wie die Welt wirklich ist und wie alles mit allem so gut zusammenspielt. Und erklären es dann uns Blinden. Dann. Und „dann“ haben wir es verstanden. Allerdings blieben die philosophischen Weisheiten nicht unangefochten, sondern wurden immer wieder in Frage gestellt. Und herausgefordert wurden die Weisheitsvermittler von den Predigern. Lange Zeit dauerte das ermüdende Gezänk zwischen den Priestern und den Philosophen. Um die Deutungshoheit. Und darum, wer wessen Diener ist.

Den Kampf gewonnen haben offensichtlich: die Künstler. Heutzutage reden die Priester vor leeren Kirchenbänken; die Philosophen haben längst Platons dialogischen Fluss vergessen und schreiben so umständlich, dass nur noch der Student sie liest, gezwungenermassen, weil er eine Arbeit schreiben muss. Die künstlerischen Werke dagegen sind populär und leicht mit einem Blick zu erfassen. Darum ist die Welt auch so einfach zu interpretieren. Wenn man den Umweg über die Museen und Galerien nimmt. Schwieriger ist es allerdings, sie selbst, ohne Umweg, zu deuten. Ein Wagnis, wie Kant meinte. Dafür womöglich spannender. Und was man nicht begriffen hat, kann man ja immer noch mit dem Nächsten diskutieren. Vielleicht weiss er eine Deutung. Auch wenn er kein Künstler ist …

… wer nicht das Museum besuchen will, geht unten durch …