… nell’Appartamento del Principe, Palazzo Reale …

Es existiert ein Planet in unserem Sonnensystem, auf dem sich mannigfaltiges Leben entwickelt hat, stabile und mobile Wesen, und die mobilen Wesen werden gekrönt von einer speziellen Art, die ihrerseits Geist und eine geistige Welt entwickelt hat – entsprechend nennen sich diese geistvollen Wesen Spiritoterrestrier. Mit ihrem Geist entwickelten sie vor Tausenden von Jahren die Angewohnheit, sich höheren Mächten zu unterwerfen und deren Befehlen und Vorschriften zu folgen. Allerdings wandelten sich mit der Zeit diese höheren Mächte – oder was die Spiritoterrestrier darunter verstehen – deutlich, oder umgekehrt gesehen: Die Spiritoterrestrier tauschten ab und zu die Ziele ihrer Verehrung aus, bezeichneten die Treue gegenüber den alten Mächten als Aberglauben und legten neue Treuegelübde ab.

Während aber früher diese höheren Mächte ihrerseits rein geistige Wesen waren – unsichtbare Kräfte hinter den sichtbaren Dingen -, so sind die neuen Herren der Spiritoterrestrier real existierende Wesen. Fassbar, tragbar. Sie sind klein und in jeder Hosen- oder Handtasche zu verstauen, kleine, mobile Ermahner, so können sie auch genannt werden, oder mit dem altertümlichen Fremdwort: Monitore.

Meist tragen die Spiritoterrestrier ihre Monitore in einer oder gar in beiden Händen, einerseits zur Verehrung, andererseits um immer aufmerksam ihren Ermahnungen und Belehrungen zu folgen. Die Monitore bestimmen, wo sich ihre Verehrer gerade befinden und wohin sie nun zu gehen haben; sie sagen das Wetter voraus und legen die gebotene Kleidung fest. Sie bestimmen, was zu kaufen ist und was für künftige Käufe ins Auge gefasst werden soll. Sie geben über Gewicht, Puls und Blutdruck und auch die Hirnströme ihrer Träger und Verehrer, kurz über eine stattliche Zahl von Funktionswerten Bescheid und setzen kurz- und langfristige Verhaltensmassregeln fest: Wie viele Schritte noch zu gehen sind, wie viele Kalorien noch mit dem Abendessen verzehrt werden dürfen, welche Diät für die Ferien vorgesehen ist. Die Monitore überwachen also die Gesundheit ihrer Träger und sind als solche unverzichtbar. Auch für komplexere Befindlichkeiten und Abhilfen sind die Monitore zu befragen; die Monitore trösten, loben, bauen auf, erheitern, helfen bei Zuständen von Entrüstung oder Hass und ihre Ermahnungen verbinden sich geschickt mit regelmässiger Bestätigung der Grossartigkeit ihrer Träger.

Die wichtigste Aufgabe der Monitor aber ist das Sammeln aller Art von Informationen und Voraussagen über mögliche Unterhaltungen und Zerstreuungen in der erreichbaren Nähe. Die Angebote der Einkaufszentren und Restaurants, der Kinos und Musiktheater werden laufend überprüft und vermittelt, ja die Monitore bieten ihrerseits rund um die Uhr Musik und Komödien, Spielfilme und politische Belehrungen, so dass jedermann auch im eigenen Heim und auf allen Wegen der Veranstaltungen teilhaftig werden kann.

Die Monitore haben also, so klein sie sind, eine Allmacht entwickelt, die bis ins Tiefste jedes Spiritoterrestriers dringt. So schätzen diese an ihren Monitoren auch die Fähigkeit, zu jeder Zeit und in allen Lebenslagen ein Bild ihres Trägers – allein oder im Kreise der Freunde oder anderer prominenter Wesen – zu erstellen. Der Träger kann sich selbst jederzeit und auf jede Art und Weise in Szene setzen, in die Szene eines eigenen, privaten Theaters, das doch – durch die unsichtbare Strahlkraft des Monitors – bis in die entferntesten Bereiche des Weltalls dringt.

So wundert es nicht, dass sich ausnahmslos alle Spiritoterrestrier voller Dankbarkeit täglich stundenlang ihren Monitoren widmen und sie heiligen, denn sie erwarten geradewegs ihr Heil von diesen ihren kleinen Heiligtümern, nicht anders, als sie früher ihr Heil von den abwesenden Mächten erwartet haben.

… nun hänge ich in diesem schrecklichen Teppich, in dieser fetten Wiese, deren Blütenstäubchen sich millionenfach auf mich absetzen und mich zusätzlich beschweren, millionenfach, mit kleinsten Gewichten, und mir das Aufsteigen, das erneute Hochschwingen vollends unmöglich machen.

Wundervoll war der Flug: Ich stieg im Wind, steil hinauf, blau, dem blauen Himmel entgegen, der bald dunkler wurde, befreit vom Dunst der tiefen und feuchten Schichten, und es zog mich in den kühlen, reinen Äther; die Welt breitete sich vor mir aus; ich flog über weite Felder, frei und mit freier, unbestimmter Richtung, zog über zementgraue Fabrikareale, zog über Städte voller Automobile, die sich von Ampel zu Ampel schleppten, mitleidig schwebte ich über euch allen, ja ich bemitleidete sogar eure Flugzeuge, die schwerfällig an ihre Triebwerke und Flügel gebunden und ihrer Richtung zu folgen gezwungen sind, wollen sie nicht stürzen und zerschellen – ganz anders als ich, der ich auf nichts angewiesen war, ausser auf meinen Körper, der, leichter als alles rundherum, mich mit dem Wind emportrug: schaukelnd und krängend, wippend und drehend.

Lang achtete ich nicht das mähliche Sinken, warum sollte ich auch, und es endlich bemerkend, schrieb ich’s den fallenden Winden zu, statt dem Ermatten meines eigenen Körpers, der seine Leichtigkeit und Spannung verlor und erschlaffte und mehr und mehr an seinem sinn- und nutzlosen Anhängsel, der Schnur, zu tragen hatte – wer hat sie mir umgelegt, wer hat mich damit beschwert und gefangen?

Und diese leidige Schnur war es, mit der ich mich verhedderte, an mickrigem Hahnenfussgewächs, gefangen auf blühender Wiese, dem Hohn der Wanderer ausgestellt, von denen keiner sich anschicken will, mich, den Flieger in höchste Sphären, zu neuem Flug zu befreien.

So wird mein Schicksal besiegelt sein; verenden werde ich hier, höchstens noch träumend von meinem Flug, und wenn ich hinfällig im Grase zittre, so wird auch mein Traum nur noch lachhafter Verweis auf entschwundene Höhen sein. Nur eines bleibt mir noch: bitterer Spott von meiner Seite über euch alle, die ihr Maschinen braucht, um mühselig abzuheben, während ich, als ich voller Leben war, im ätherischen Wind zu den Sternen tanzte …